Turning Classrooms

Thomas Stricker

2023

In Realisierung

Neubau Schul- und Sportcampus Lerchenauer Feld, 80935 München

Weltumspannende soziale Skulptur: Bau oder Sanierung einer Partnerschule in der Kunene-Region in Namibia

Architektur: Schürmann Dettinger Architekten, München

Landschaftsarchitektur: ver.de Landschaftsarchitekten, München

Fotos: Thomas Stricker

Text: Auszug aus dem Statement der Münchner Kunstkommission

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Wo verlaufen die Grenzen zwischen geografischen und kulturellen Räumen, zwischen Welt und Skulptur? Kann soziales Engagement eine Skulptur sein? Wann ist Kunst überhaupt Kunst – und was hat sie mit Humanität zu tun?

Fragen wie diese spielen im künstlerischen Werk von Thomas Stricker seit langem eine zentrale Rolle. Sein forschender, grenzüberschreitender und experimentierfreudiger Skulpturbegriff spiegelt sich auch im Entwurf „turning classrooms“ wider – einer, wie der Künstler selbst sagt, „weltumspannenden Skulptur“. Denn das zweiteilige Werk soll als eine künstlerische Intervention nicht nur in München wirken, sondern auch Kindern im südlichen Afrika, genauer: in der Otjozondjupa-Region in Namibia, einen Zugang zu Bildung verschaffen. An diesem Ort, wo es noch keine Schule (oder keine funktionierende Schule mehr) gibt, soll mit „turning classrooms“ eine kleine Partnerschule aufgebaut werden.

Das Kunstwerk nimmt die Schulbauoffensive der Landeshauptstadt München in wortwörtlichem Sinne auf und erweitert sie um die globale Perspektive. Denn mit Hilfe des Hauptteils der zur Verfügung stehenden Mittel wird die Partnerschule gebaut und nachhaltig betrieben – als Teil einer sozialen Skulptur im Sinne von Joseph Beuys, dessen Kunstvorstellung vor allem auf kommunikativem Austausch beruhte.

Um das Projekt auf akustische und visuelle Art und Weise erlebbar zu machen, sind unterschiedliche Möglichkeiten denkbar, deren Details mit den planenden Architekt:innen und der Schule entwickelt werden, wie beispielsweise ein plastisches Symbol der Verbundenheit im Zentrum der beiden Schulhöfe.  Die genaue Art dieser Objekt-Zwillinge lässt der Entwurf jedoch bewusst offen, um Lernende und Lehrende auf beiden Seiten partizipatorisch in diesen Formfindungsprozess und möglicherweise auch aktiv in die Produktion miteinzubeziehen. Daneben sind andere Formen der Dokumentation denkbar, etwa eine Fotografie der jeweiligen Partnerschule, die in beiden Schulen an zentraler Stelle aufgehängt würde, um auf das Projekt zu verweisen.

Thomas Stricker bringt langjährige interkulturelle Erfahrungen sowie ein umfangreiches Netzwerk in sein Vorhaben mit ein: Unter anderem betreibt er seit 16 Jahren ein Langzeitprojekt in Namibia, das den Bau von Klassenräumen, aber auch Infrastruktur- und Gartenbau-Projekte beinhaltet. Aufgrund der wachsenden Komplexität hat er mit seiner Lebensgefährtin eine offiziell anerkannte gemeinnützige Organisation (NGO) gegründet, über die all diese Projekte abgewickelt werden – und über die auch „turning classrooms“ realisiert werden wird. Die neu gebaute Partnerschule wird nach Fertigstellung dem namibischen Schulministerium übergeben, welches dann auch den laufenden Betrieb garantiert, d.h. Lehrkräfte einstellt und bezahlt, das Schoolfeeding organisiert und die langfristige Nutzung sichert.

Kontext

Der Künstler Thomas Stricker wurde zur Teilnahme an einem Kunst am Bau-Wettbewerb für den Neubau des Schul- und Sportcampus Lerchenauer Feld (Grundschule und Gymnasium) im Stadtbezirk 24. Feldmoching-Hasenbergl eingeladen. Dort entsteht auf einer Fläche von rund 23,7 Hektar ein neues, urbanes Quartier. Es wird eine vielfältige Mischung aus Wohn-, Freizeit-, Sozial- und Bildungseinrichtungen bieten. Im südöstlichen Teil des Areals wird die Landeshauptstadt München einen Schul- und Sportcampus errichten, der sich über etwa 5,2 Hektar erstreckt und eine 4-zügige Grundschule, ein 6-zügiges Gymnasium sowie ein Schwimmbad, Sporthallen und Freisportflächen umfasst. Das künstlerische Konzept „turning classrooms“ von Thomas Stricker wurde im Dezember 2023 von der Kommission für Kunst am Bau und im öffentlichen Raum zur Realisierung empfohlen.


Bild 4: Visualisierung Klassenzimmer im Süden mit Bild der Partnerschule im Norden

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