Parkstadtplan

Hermann Maier Neustadt

2001

öffentlich zugänglich

Unterführung unter der A9, zwischen Walter-Gropius-Straße und Grüneckerstraße

Deckeninstallationen in der Unterführung: (West) 3,3 x 4,9 m und 1,9 x 4,9 m; (Ost) 3,4 x 4,9 m und 1,7 x 4,9 m; Bodenarbeit außen: 1,4 x 0,7 x 1,6 m; Aluminium, Lack, Acrylglasspiegel, Straßenmarkierungsfarbe

Fotograf:innen: Hermann Maier Neustadt

Autor:innen: Ann Demeester

Drehen und Wenden / Abwesenheit und Anwesenheit

Mit seiner Installation „Parkstadtplan“ beeinflusst Maier Neustadt die ‚Stimmung‘ so, dass die tektonischen Formen und Umrisse der Umwelt, in der er arbeitet, ausgeblendet werden. Sein Ausgangspunkt ist ein trostloser Tunnel, der wie die meisten Unterführungen nichts weiter als eine anonyme Transitzone ist.

Der Künstler bewirkt eine grundsätzliche Verschiebung in der Art und Weise, wie die unterirdische Verbindung wahrgenommen wird. Im Allgemeinen betrachtet man eine Unterführung als ein rein funktionales Element im öffentlichen Raum: Maier Neustadt umgeht den rein zweckmäßigen Charakter des Ortes, ordnet indirekt die gesamte räumliche Aufteilung neu und beeinflusst den Strom der Fußgänger*innen.

Er hat sie von einer überdimensionierten ‚Durchreiche‘ in einen konkreten Raum verwandelt, wo man verweilen oder einige Zeit verbringen will. Weder verändert er die sichtbaren Strukturen noch den Aufbau des Tunnels, sondern er modifiziert die Atmosphäre, mittels eines komplexen Spiels aus geometrischen Formen und Linien, Farben, Konturen und Licht, verschiedenen Ebenen und unterschiedlichen Materialien.

Durch die Deckenkompositionen und die Bodenarbeit wird der Tunnel mit der urbanen Landschaft draußen verbunden. Das Greifbare an seiner Arbeit liegt daher nicht ausschließlich in der Materialität, sondern vielmehr im subtilen Effekt, der durch sie hervorgerufen wird – so wie in den Schnitten, Löchern und dem ‚Fehlenden‘ bei Gordon Matta-Clark.

Alle die durch den Tunnel gehen – sei es tagsüber, morgens oder abends – erkennen, dass Maier Neustadts Arbeit die These von Goethe und Wölfflin absolut untermauert, der zufolge das Gefühl, welches uns ein schöner Ort beschert, nicht nur eine visuelle Erfahrung ist, sondern sich als ganzheitliche körperliche Empfindung manifestiert.

Ann Demeester, Amsterdam, Juli 2003, Auszug

Parkstadtplan
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