Nennt mich Ismael

Tobias Gerber

2007

auf Anfrage zugänglich

Gebelestraße 2, 81679 München

Wandarbeit, Schnurputzzeichnung, Pausenhalle

Der 1851 erschienene Roman Moby Dick von Herman Melville, dessen Erzähler, der einfache Matrose Ismael, das Meer und die Ozeane als „den wässrigen Teil der Welt“ beschreibt, handelt von einem schicksalhaften Walfang, der im Laufe der Erzählung zum Sinnbild des Abenteuers und der Sehnsucht, aber auch des Kampfes zwischen Mensch und Natur wird. Tobias Gerber hat dieses literarische Motiv in eine Zeichnung umgesetzt, die die gesamte Seitenwand der Pausenhalle einnimmt, eines Aufenthaltsraumes also, den die Schulkinder vor allem bei schlechtem Regenwetter aufsuchen, dem „anderen wässrigen Teil der Welt“, so könnte man sagen.

Außergewöhnlich ist die Entstehung und Realisierung dieser großformatigen Reliefzeichnung: Der Künstler hat das Konzept durch kleine, kindliche Faltzeichnungen entwickelt, die beim Entfalten „mit dem Überraschungseffekt der Spiegelung arbeiten.“ Denn – so Gerber weiter – „die Faltzeichnungen verrätseln das Motiv von Wal und Fischer in ein tänzerisches Auf und Ab.“ Diese kleinen vorbereitenden Zeichnungen sind anschließend in maßstäblich korrektem, aber vervielfachtem Format auf die Wand übertragen und hier durch Schnüre fixiert worden.

Anschließend durch den aufgebrachten Gipsputz verdeckt, werden diese Schnüre nach dem Trocken des Putzes gezogen, so dass die ca. 1 cm tiefe Linie die ursprüngliche Zeichnung wieder sichtbar macht: Tobias Gerber entwickelte diese Schnurputztechnik speziell für seine Wandarbeit, die die Geschichte von Ismael und Moby Dick ebenso zurückhaltend wie einprägsam aus der literarischen Vergangenheit in die aktuelle Gegenwart der Kinder schimmern lässt.

Florian Matzner

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