Happy Saguaros

Robert Voit

2021

öffentlich zugänglich

Grundschule Theodor-Fischer-Straße 73, 80999 München

Zwei Kakteen-Plastiken aus bemaltem Fiberglas,
Höhe: 7 m und 6 m

Architekt:innen: Auer Weber, München

Landschaftsarchitekt:innen: realgrün, München

Fotograf:innen: Florian Holzherr

Autor:innen: Roberta De Righi

Man reibt sich verwundert die Augen: Ist es eine Luftspiegelung, oder wachsen in Allach-Untermenzing neuerdings tatsächlich Riesen-Kakteen? Fast wie im gleißenden Licht der Prärie prangen vor dem Eingang der neuen Grundschule an der Theodor-Fischer-Straße zwei eindrucksvolle Gewächse in Grün. Der Münchner Foto-Künstler Robert Voit schuf die beiden Großplastiken, die schon von weitem zu sehen sind. „Carnegiea Gigantea“ lautet der botanische Name der Sukkulenten, die hier als Vorbild dienten. „Happy Saguaros“ betitelte Robert Voit sein Kunstwerk am Bau.

Die eigentliche Heimat des „Saguaro“, Säulenkaktus, ist die Sonora-Wüste, die sich von Mexiko bis in die US-Bundestaaten Arizona und Kalifornien erstreckt. Der Künstler selbst hat als Kind zwei Jahre in Texas verbracht. Die täuschend echt wirkenden Ebenbilder aus Fiberglas sind stolze 6 und 7 Meter hoch und sehen ein bisschen wie hochgewachsene Figuren aus – was nicht zuletzt an ihren „Armen“ liegt. Wie freundliche Wächter*innen heißen sie alle Eintretenden Willkommen.
Das Vexierspiel von Original und Attrappe, von Täuschung und Wirklichkeit, ist für Voit Thema, seit er weltweit eine Serie als Bäume getarnter Mobilfunkmasten fotografierte. Mit den Nachbildungen setzt er auf das Überraschungsmoment: Sind diese Kakteen-Geschwister, die sich mitten in der Münchner Schotterebene angesiedelt haben, etwa schon eine Folge des
Klimawandels, der auch an der sich verändernden Vegetation sichtbar wird?

Der „Club of Rome“ ist ein Expertenrat, der sich seit 1968 für Nachhaltigkeit einsetzt. In seinem jüngsten Bericht hat er „unsere kollektive Unfähigkeit, zwischen Fakten und Fiktion zu unterscheiden“ als bedeutendstes Problem unserer Zeit benannt: „Weil es dazu beiträgt, dass wir angesichts der Herausforderungen unfähig sind, zusammenzuarbeiten, oder uns auch nur über Grundtatsachen zu verständigen.“ Mit „Happy Saguaros“ will der Künstler die kindliche Neugier wachkitzeln und zugleich dazu anregen, die Umwelt genau zu beobachten. Denn nicht erst seit „Fridays for Future“ sorgen sich Kinder und Jugendliche um die Zukunft unseres Planeten. Noch wirken die beiden Sukkulenten in ihrer Umgebung unwirklich. Dennoch verweist Robert Voit damit ebenso spielerisch wie prägnant auf die Brisanz des Themas.

Happy Saguaros
Happy Saguaros