Farbgedichte

Thierry Boissel

2012

öffentlich zugänglich

Margarethe-Danzi-Straße 18, 80639 München

Emaille-Malerei auf Floatglas

Bunte Farbtupfer tanzen über die Glasfläche, ballen sich zu kleinen Gruppen und verlieren sich wieder in einem freien Spiel. Thierry Boissel hat die Schallschutzwand der Grundschule an der Margarethe Danzi Straße in Nymphenburg in ein abstraktes Bild verwandelt, das nur seinen eigenen Gesetzmäßigkeiten gehorcht. Es sind warme Farben, die mit der umgebenden Natur und mit dem Gebäude korrespondieren.

Zwei Gedichte – „Der Regenbogen“ von Josef Guggenmos und „Der Baum“ von Eugen Roth – haben ihn zu der Arbeit inspiriert. Sie beschreiben gleichnishaft Erscheinungen in der Natur. Beschäftigt man sich intensiver mit Boissels Malerei, wird eine innere Logik erkennbar. Denn der Künstler hat seine Farben den Buchstaben des Alphabets zugeordnet und als abstraktes Bild auf die Glaswand übertragen. Betritt man den Innenhof der Schule, können die Gedichte mit Hilfe des Farbcodes auf Handtafeln entziffert werden. Für die Schüler bedeutet die Dechiffrierung der Farbtupfer eine spielerische Aneignung von Text und Bild. „Ich wollte mit den Farbgedichten mehrere Sinne gleichzeitig ansprechen“, erklärt der Künstler.

Boissel, der an der Akademie der Bildenden Künste die Studienwerkstatt für Glasmalerei, Licht und Mosaik leitet, experimentiert schon seit einigen Jahren mit der freien künstlerischen Umsetzung von Texten. „So herrliche Farben kann keiner bezahlen, sie über den halben Himmel zu malen“, heißt es eine in einer Strophe von Guggenmos’ „Regenbogen“. Auch Thierry Boissel scheint seine lyrischen Abstraktionen direkt in den Himmel zu malen. Denn auf der Glaswand der Grundschule in Nymphenburg treten Natur und Kunst in einen spannungsreichen Dialog.

Cornelia Gockel

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