erdfeldmagnete
Stefan Mayer
2025
Erweiterungsneubau der Grundschule An der Schäferwiese 5, 81245 München
Installation aus fünf mit Kupferdraht umwickelten Karbonträgerröhren im Luftraum der Gebäudenordseite, Visualisierungsbildschirm in der Pausenhalle, PV-Module auf dem Dach
Architektur: LMJD Dennerle Motzet Architekten, München
Landschaftsarchitektur: fischer heumann landschaftsarchitekten, München
Fotos: Stefan Mayer
Text: Auszug aus dem Statement der Münchner Kunstkommission
Seit Ende der 1980er Jahre arbeitet der Bildhauer und Kunstpädagoge Stefan Mayer an skulpturalen, zumeist raumgreifenden Interventionen und Installationen, bei denen vorwiegend physikalische Kräfte zum Einsatz kommen, z. B. magnetische Felder, Temperaturen oder Luftströmungen. Durch diese letztlich unsichtbaren Kräfte erweitert Mayer die Wahrnehmung der zumeist öffentlichen Räume seines künstlerischen Wirkens. Auch der Entwurf „erdfeldmagnete“ setzt sich mit einer physikalischen Eigenschaft der Erde auseinander, die im Alltag zwar genutzt wird, aber in der Regel unsichtbar bleibt: mit dem Erdmagnetfeld. Dieses Feld bestimmt unter anderem die Ausrichtung von Kompassen und dient als grundlegendes Orientierungssystem auf der Erdoberfläche. In München weist das Erdmagnetfeld eine Neigung von etwa 65° sowie eine geringe Abweichung (ca. +4°) vom geografischen Norden auf.
Mit der Arbeit „erdfeldmagnete“ wird Mayers künstlerische Vorgehensweise exemplarisch deutlich: am Anfang steht die Messung der lokalen Werte des Erdmagnetfeldes, aus denen sodann eine skulpturale Form entwickelt, die für ihn die Beziehung zwischen der spezifischen magnetischen Situation und dem architektonischem Raum widerspiegelt.
Die Skulptur „erdfeldmagnete“ besteht aus fünf Elementen – jeweils rund vier Meter lange, mit Kupferdraht umwickelte Stabmagnete auf Carbonträgern –, die im oberen Luftraum der Westfassade montiert werden. Die Arbeit bleibt bewusst zurückhaltend in ihrer visuellen Erscheinung. Sie greift nicht in Form einer dominanten Skulptur in den Schulraum ein, sondern entwickelt sich aus einer präzisen Beziehung zwischen Ort, physikalischer Situation und minimaler Konstruktion. Die künstlerische Intervention macht so eine vorhandene, normalerweise unsichtbare Struktur des Ortes erfahrbar.
Ein weiterer, wesentlicher Aspekt des Projekts „erdfeldmagnete“ ist die Vermittlung. Denn die Installation soll als Ausgangspunkt für den Unterricht dienen, grundlegende naturwissenschaftliche Zusammenhänge – etwa Magnetismus, Orientierung oder planetare Eigenschaften – anschaulich zu thematisieren. Ergänzende Informationen können diese Zusammenhänge erläutern und so einen Bezug zwischen künstlerischer Arbeit, naturwissenschaftlicher Beobachtung und schulischem Lernen herstellen.
Kontext
Der Künstler Stefan Mayer wurde eingeladen, einen künstlerischen Entwurf im Rahmen eines Kunst-am-Bau-Wettbewerbs für die Sanierung und Erweiterung der Grundschule an der Schäferwiese 5 im 21. Stadtbezirk Pasing-Obermenzing zu entwickeln. Der bestehende 3,5-zügige Schulbau soll auf 5 Züge erweitert und zu einer ganztagsgerechten Grundschule ausgebaut werden. Die Erweiterung umfasst unter anderem Klassen- und Ganztagsräume im Lernhauskonzept, eine Mensa, eine Hausmeisterwohnung sowie zwei Sporthallen. Das künstlerische Konzept „erdfeldmagnete“ von Stefan Mayer wurde 2026 von der Kommission für Kunst am Bau und im öffentlichen Raum zur Realisierung empfohlen. Für die Kunst am Bau stehen dabei Mittel in Höhe von 200.000 € zur Verfügung.