clouds
Albert Weis
2025
auf Anfrage zugänglich
Bildungscampus Neufreimann, Friederike-Nadig-Allee 42, 46, 48, Henny-Seidemann-Straße 19-21, 80393 München
Stahlrohr, jeweils zweifarbig lackiert,
Blaue Skulptur: 200 × 437 × 808 cm
Rote Skulptur: 240 × 330 × 450 cm
Architektur: a+r Architekten, Stuttgart
Landschaftsarchitektur: Glück Landschaftsarchitektur, Stuttgart
Fotos: Peter Schinzler
Text: Prof. Dr. Bernhart Schwenk
Die beiden Kunstwerke, die in der Grundschule und im Gymnasium jeweils im Luftbereich der großen Treppenhausfoyers hängen, heißen „clouds“ („Wolken“). Sie bestehen jeweils aus Gitterstrukturen, die wiederum aus farbig lackierten Stahlrohren zusammengesetzt sind. Auf vereinfachte Weise geben sie zwei charakteristische Wolkenformen wieder: Das Objekt in der Grundschule erinnert an den klassischen, kompakten Cumulus, also an die Wolke, die uns die vertrauteste Form ist, wenn es ums Zeichnen geht. Im Gymnasium könnte man an eine Schleierwolke denken, auch Cirrostratus genannt. In der Natur besteht diese Wolkenformation aus Eiskristallen, kann in parallelen Schichten auftreten und zieht in Bändern am Himmel entlang.
Die Farben der abstrahierten „clouds“ nehmen das architektonische Farbkonzept der beiden Schulgebäude auf und verstärken es. Entsprechend ist die ‚Wolke‘ in der Grundschule in einem Himbeerrrot gestrichen, an ihrer Unterseite wird es durch ein Signalrot ergänzt. Die ‚Wolke‘ im Gymnasium´ hingegen ist in einem leuchtenden Ultramarinblau lackiert, das an ihrer Unterseite in ein dunkleres Nachtblau wechselt. Die geometrischen clouds bilden in den Treppenhäusern für Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und Gäste eine Art Himmel, der den Räumen etwas Luftiges, Leichtes und Schwebendes verleiht, ein Spiel mit Licht und Schatten erzeugt. Die Kunstwerke nehmen auch die kubischen Volumina der beiden Schulgebäude sowie die Blockstruktur des neu entstandenen Stadtviertels auf. Sie antworten also auf die Proportionen der Treppenhäuser, auf deren großzügig dimensionierten Luftraum sowie die weitere Umgebung.
Gleichzeitig lassen die beiden „clouds“ auch Bedeutungen im übertragenen Sinne zu. Denn Wolken-Bilder finden sich in unserer Sprache viele: Man „schwebt auf Wolke sieben“ oder „fällt aus allen Wolken“, es gibt den „Wolkenkratzer“ oder das „Wolkenkuckucksheim“. Auch Dichter:innen und Philosoph:innen verwenden das Wolkenbild häufig. Schon Friedrich Schiller schrieb in seinem Gedicht „Die Gunst des Augenblicks“ vor über 200 Jahren: „Aus den Wolken muss es fallen, aus der Götter Schoß, das Glück…“
Jüngere Betrachterinnen und Betrachter dürften beim Begriff ‚cloud‘ vor allem an die digitalen Wissensspeicher denken – und an das (manchmal blinde) Vertrauen, dass sich alles Wissen „in der Cloud“ befindet. Auch der Gedanke könnte aufkommen, dass der allgegenwärtige Zugriff auf das gespeicherte Wissen das Lernen nicht nur unterstützt, sondern möglicherweise sogar überflüssig macht. Doch kann man sich wirklich für immer darauf verlassen? In den „clouds“ jedenfalls, diesen Wolken-Gerüsten, lässt sich kein Wissen speichern. Denn sie sind weder virtuelle Datengebilde noch analoge Gefäße. Aber sie sind eben auch keine ‚echten‘ Wolken, wie wir sie aus der Natur kennen. Auf augenzwinkernde Weise stellen sie mit bildnerischen Mitteln eine eigene Wirklichkeit dar – Kunst eben. Und sie lassen anklingen, dass die Schule in der Zukunft mit digitalen wie mit analogen Realitäten gleichermaßen verbunden bleibt, bei denen immer auch Vorstellungskraft und Kreativität gefragt sind.
Kontext
Das zweiteilige Kunstwerk „clouds“ von Albert Weis wurde im Rahmen eines Kunst am Bau Wettbewerbs für den Bildungscampus Neufreimann im Stadtbezirk Schwabing-Freimann von der Kunstkommission zur Realisierung empfohlen. Eine der „clouds“-Arbeiten ist im Treppenhausfoyer der sechszügigen Grundschule installiert, die sechs Lernhäuser mit jeweils vier Klassen sowie eine Zweifachsporthalle umfasst. Die zweite Arbeit befindet sich im Foyer des sechszügigen Gymnasiums, das über sechs Lernhäuser mit jeweils sechs Klassen und drei Lernhäuser, eine Aula, eine Dreifachsporthalle sowie eine Schwimmhalle verfügt. Die Baumaßnahme umfasst darüber hinaus ein Haus für Kinder mit drei Krippen- und drei Kindergartengruppen. Die Schulen wurden im Jahr 2025 fertiggestellt; das Gesamtprojekt ist Teil der Schulbauoffensive.