Buchstabenbaum

Emanuel Mooner

2026

öffentlich zugänglich

Bezirkssportanlage Siegenburger Str. 51, 81373 München

320 farbige pulverbeschichtete Edelstahlbleche, 600 x 800 cm

Architektur: LIAG architekten + baumanagement, Den Haag / human home, Rosenheim

Landschaftsarchitektur: Ahner Landschaftsarchitektur, Königs Wusterhausen

Fotos: Florian Holzherr

Text: Roberta De Righi

Buchstabenbaum
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Die Kunst treibt im urbanen Zwischenraum seltene Blüten: An der Wand des Betriebsgebäudes der neu gebauten Bezirkssportanlage an der Siegenburger Straße wächst eine Art Spalierbaum. Seine Früchte bestehen aus Satzzeichen und Buchstaben. Der Münchner Künstler Emanuel Mooner schuf die weithin sichtbare farbige Fassadenarbeit mit dem Titel: „Buchstabenbaum“.

Als Standort für Kunst ist der zweigeschossige flache Bau, der sich zwischen Westpark und Mittlerem Ring, Sportplatz und der hier tiefergelegten Straße erhebt, durchaus herausfordernd, da er eigentlich keine Schauseite hat. Der Künstler wählte die Fassadenfläche an der nordwestlichen Gebäudeecke. Hier ist das Schrift-Bild sowohl vom Mittleren Ring als auch von unten aus der Unterführung der Siegenburger Straße sichtbar.

Rund acht Meter hoch und sieben Meter breit ist die stattliche, gerundete Baumkrone, die sich über einem eher kurzen Stamm erhebt. Das Wandrelief setzt sich aus rund 300 Buchstaben und Satzzeichen, geschnitten aus pulverbeschichtetem Blech, zusammen. Ihre leuchtenden Farbtöne – Gelb, Rosa und Grün – finden sich im Inneren des Hauses wieder. Durch jede Menge Kommata, die wie stilisiertes Blattwerk aussehen, und ein paar Is und Ys, die sich zum Geäst zusammensetzen, lässt sich in diesem „Buchstabensalat“ insgesamt die Gestalt eines Baumes erkennen. Nicht zuletzt, weil der Künstler als Schrifttype die serifenlose und darum gut lesbare, schlank wirkende Grotesque Nr. 9 wählte, die Anfang des 20. Die meisten der Buchstaben sind mit so genannten diakritischen Zeichen ergänzt: Man findet das Č, ein C mit Hatschek, und ein C mit Cedille: Ç. Außerdem Y und I mit je zwei Pünktchen (Trema) – also Ÿ und Ï – sowie eines mit Zirkumflex-Dächlein: Î. Ein durchgestrichenes L Ł, wie es etwas im Polnischen vorkommt, ist auch dabei. Auch wenn man nicht weiß, wie jeder einzelne Buchstabe ausgesprochen wird, schürzt man unwillkürlich die Lippen, um sich daran zu versuchen. Die typographische Installation regt die akustische Vorstellungskraft an und bringt beim Betrachten das Sprachzentrum lautlos in Aktion: eine Anregung zum Mundmuskelsport.

Es sind besondere Buchstaben, die in rund 23 Sprachen vorkommen. Damit will Emanuel Mooner auf die Vielfalt der Menschen und ihrer rund 40 Vereine verweisen, die hier auf dem Sportplatz Fußball, Hockey und einiges mehr trainieren. So ist sein „Buchstabenbaum“ ein Zeichen für Diversität, Zusammenhalt und Teamgeist, das markant versinnbildlicht, wie aus euch, dir und mir ein „Wir“ werden kann.

Buchstabenbaum
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