2025

auf Anfrage zugänglich

Klenze-Gymnasium, Wackersberger Straße 59, 81371 München

Aluminium Vollguss, pulverbeschichtet,
Skulptur Orange: 180 × 150 × 445 cm
Skulptur Violet: 180 × 170 × 460 cm

Architektur: KRUG GROSSMANN ARCHITEKTEN, München

Landschaftsarchitektur: EGL Landschaftsarchitekten, Landshut

Fotos: Michael Heinrich

Text: Anna Wondrak

Twins
Twins
Twins
Twins
Twins

„Twins“ ist ein zweiteiliges Kunstprojekt der Münchner Künstlerin Alix Stadtbäumer, das im Rahmen des Erweiterungsbaus des Klenze-Gymnasiums entstanden ist. Die beiden Aluminiumskulpturen – eine in leuchtendem Orange, die andere in kräftigem Violett – erheben sich jeweils rund 4,60 Meter hoch und setzen markante, farbige Akzente im Außenraum der Schule. Dabei markieren sie zwei zentrale Orte: den Eingangsbereich des Pausenhofs, der gemeinsam vom Klenze und Dante-Gymnasium genutzt wird, sowie den Platz vor der neuen Turnhalle. Von einem bestimmten Punkt auf dem Schulgelände aus lassen sich beide Skulpturen gleichzeitig sehen und treten so miteinander in einen Dialog, genau wie die beiden Schulen, die sie verbinden.

Das Klenze-Gymnasium ist naturwissenschaftlich-technisch ausgerichtet, bietet seinen Schüler:innen jedoch auch ein breites musisches Angebot. Diese Verbindung unterschiedlicher Disziplinen formal und inhaltlich aufzugreifen, war für Alix Stadtbäumer Inspiration und Herausforderung zugleich: Wie lässt sich Wissenschaft mit Kunst, Logik mit Spiel und Struktur mit Leichtigkeit verbinden? Ausgangspunkt ihrer Idee war die mathematische Knotentheorie, die ihre Ausläufe auch im alltäglichen Kabelsalat findet, wenn sich z. B. Kopfhörerkabel oder Gartenschläuche scheinbar unentwirrbar ineinander verwickeln.

Alix Stadtbäumer stieß bei ihrer Recherche auf das Rätsel des sogenannten „Conway-Knotens“, in dem es um die Frage geht, ob dieser im vierdimensionalen Raum eine Scheibe umrandet. Jahrzehntelang blieb das Problem ungelöst, bis die junge Mathematikerin Lisa Piccirillo 2018 überraschend einen Weg fand, das Rätsel zu lösen. Der Conway-Knoten ist ein scheinbar kompliziert verschlungener Knoten, bei dem lange unklar war, ob er sich ohne Zerschneiden entwirren lässt. Piccirillo konnte schließlich mathematisch nachweisen, dass dies nicht möglich ist und der Knoten somit tatsächlich ein „echter“ Knoten bleibt. Ihr Erfolg, der auf einem ungewöhnlichen Denkansatz und einem kleinen Trick beruhte, wurde für Alix Stadtbäumer zum Sinnbild dafür, dass gerade junge Menschen mit Neugier, Mut und Kreativität selbst komplexe Probleme bewältigen können.

Die Künstlerin baute die Skulpturen zunächst im Maßstab 1:1 aus biegsamen Kunststoffrohren, ummantelte sie mit Gips, schleifte, stabilisierte, schleifte erneut – wochenlang entstand so ein präzises 1:1 Modell in Handarbeit. Anschließend übernahm die Gießerei Anton Gugg die Umsetzung im Sandgussverfahren. Jede Skulptur wurde in mehreren Teilen einzeln im Vollguss realisiert, danach zusammengeschweißt, erneut geschliffen, geprüft und schließlich durch den TÜV abgenommen.

Die beiden dynamischen Schlaufenskulpturen sind mehr als reine Formen, sie wirken wie abstrakte dreidimensionale Zeichnungen im Raum. Ihre Linien schrauben sich präzise und spielerisch zugleich nach oben, winden und öffnen sich. Als Sinnbild für Bewegung, Verbindung und individuelle Perspektiven laden sie dazu ein, sie aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten, mit ihnen in
Beziehung zu treten und vielleicht sogar eigene Assoziationen zu entwickeln – seien es tanzende Figuren, musikalische Linien oder verschlungene Gedanken. Sie stehen exemplarisch für das, was Schule heute ausmacht: den Dialog zwischen Logik und Kreativität, zwischen Struktur und Entfaltung. Die Skulpturen fordern dazu auf, genauer hinzuschauen, neue Wege zu denken und das Verknüpfte im scheinbar Verwirrten zu entdecken. Ganz im Sinne von Lisa Piccirillos Erkenntnis – und der jungen Menschen, die hier täglich lernen.

Twins
Twins
Twins
Twins
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