Pavilions
Nils Norman
2025
auf Anfrage zugänglich
Grundschule, Mittelschule und Haus für Kinder, Strehleranger 10–16, 81735 München
Drei Spielpavillons in Mischtechnik: Kupfer, Massivholz, geschnitztes Holz, Kerto-Schichtholz, Aluminium-Maibaum, Terrakotta-Dachziegel, ca. 620 × 350 × 500 cm
Projektpartner:innen: BUREAUEUROPA, ProjektHolz
Architektur: Schmidt-Schicketanz Planer, München
Landschaftsarchitektur: TERRA.NOVA Landschaftsarchitektur, München; club L94 Landschaftsarchitekt*innen, Köln
Fotos: Florian Holzherr
Text: Prof. Dr. Florian Matzner
„Ecotopia“ steht als Begriff auf dem Hinweisschild, das wie ein Straßenname an einem der drei kleinen Pavillons angebracht ist. „Ecotopia“, auf deutsch Ökotopie, vereint die beiden Worte Ökologie und Utopie miteinander und verweist auf den gleichnamigen Roman des amerikanischen Schriftstellers Ernest Callenbach, der bereits in den 1970er Jahren für eine Staatsform plädiert hat, in der Demokratie und Ökologie, Gleichberechtigung und Diversität die zentralen Pfeiler einer zukünftigen Gesellschaft sein sollten. Heute, gut 50 Jahre später, ist vieles erreicht, doch es gibt noch mehr als genug zu tun. Gerade eine junge Generation sieht sich mit den gleichen alten-neuen Problemen konfrontiert: Klimakrise, Ungleichheit, Armut, Kriege haben eine beunruhigende Aktualität wiedergewonnen. Doch das Hinweisschild „Ecotopia“ zeigt den Weg in eine bessere Zukunft, macht Hoffnung, verspricht den Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, ihre Welt selbst zu gestalten und für sie verantwortlich zu sein. Dieser ebenso spielerische wie ernste Ansatz findet seine Entsprechung in den drei „Miniaturpalästen“, die der Künstler Nils Norman für den Außenbereich des Schulensembles am Strehleranger realisiert hat.
Diese kleinen Paläste hat Norman aus der regionalen Architektursprache Bayerns entwickelt und wie folgt beschrieben: Der Pavillon, an dem der Wegweiser zu „Ecotopia“ angebracht ist, steht im Haupthof und vereint Motive aus dem Olympischen Dorf, aus Schrägdächern von Brauereien, Details aus der Magdalenenklause im Schloßpark von Nymphenburg sowie des Königshauses von Ludwig II. am Schachen. Ein weiterer Pavillon befindet sich im Kindergartenteil des Geländes und vereint einen Maibaum und einen Zwiebelturm – eine Dachform, die als typisch bayrisch bezeichnet wird, sich aber auf der ganzen Welt und in den unterschiedlichsten Kulturen wiederfindet. Der dritte Pavillon befindet sich auf dem Hauptschulhof und verweist mit seinen Schnitzereien auf den regionalen Landhausstil. Die große geschnitzte Kerze findet man in Bayern in Städten, Ortschaften und auf Bergwanderwegen und sie steht – gemäß dem Künstler – für „Gastfreundlichkeit und einen erleuchteten Weg“.
So hat Nils Norman in den Miniaturpalästen aus unterschiedlichsten Motiven und Formen drei Phantasiebauten zusammengesetzt, die die Kinder und Jugendlichen einladen, mit und in diesen Pavillons eigene „Gedankengebäude“ zu errichten: als Treffpunkt, als Aufenthaltsbereich, aber eben auch als „Denkraum“ für Kreativität und Freiheit, als Ort für persönliche und gesellschaftliche Utopien. Der englische Künstler Nils Norman konzentriert sich in seinem Werk auf ökologische Themen und gesellschaftspolitisch relevante Fragestellungen. Er leitet an der Akademie der Bildenden Künste in München eine Klasse für Kunstpädagogik, in der die Studierenden zu Kunstlehrer:innen in bayerischen Schulen ausgebildet werden. Dieser pädagogische Ansatz, dass Kunst als Vermittlerin in der Gesellschaft mit ihren unterschiedlichen Meinungen, Kulturen, Religionen eine zentrale Rolle spielen kann, bestimmt auch die Idee der drei Pavillons: Diese Gedankengebäude stellen Fragen, geben aber keine direkten Antworten, denn die müssen die Kinder und Jugendlichen sich immer wieder neu geben: Was will ich? Wie möchte ich leben? Welche Zukunft erwartet mich? Und wie kann ich meine Welt selbst gestalten?
Kontext
Der Entwurf „Pavilions“ des Künstlers Nils Norman wurde im Rahmen eines Kunst-am-Bau-Wettbewerbs für den Neubau des Schulensembles am Strehleranger von der Kunstkommission zur Realisierung empfohlen. Das neue Schulensemble, das nach dem Münchner Lernhauskonzept konzipiert ist, bietet Platz für insgesamt sechs Grundschulzüge, eine dreizügige Mittelschule sowie ein Haus für Kinder mit drei Krippen- und vier Kindergartengruppen. Der Schulbetrieb an Grund- und Mittelschule wurde bereits zum Schuljahresbeginn 2023/24 aufgenommen. Das Gesamtprojekt ist Teil der Schulbauoffensive. Ein Spielpavillon befindet sich im Außenbereich des Hauses für Kinder, zwei weitere liegen in den von beiden Schulen gemeinsam genutzten Freispielflächen. Die „Pavilions“ fungieren somit sowohl als verbindendes Element, aber auch als auszeichnendes Merkmal der unterschiedlichen Bauteile.