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Johannes Muggenthaler

2006

abgebaut

U-Bahnhof Marienplatz, 80331 München

Temporäre Bespielung der Infoscreens

Im Grunde gleichen Johannes Muggenthalers inszenierte Fotografien japanischen „Haikus“. Diese kürzeste Gedichtform der Weltliteratur besteht aus einer einzigen Strophe von nur drei Zeilen, richtet sich aber durch ihre Pointiertheit auf Wortspiel, Assoziation, Witz hin aus.

Viel ist es denn auch nicht, was Muggenthaler an Metaphern oder auch Requisiten für seine halbkomischen, halbnachdenklichen Anmerkungen zum Thema Fußball und Sport benötigt: einen Pantoffel in orangebraunem Karostoff etwa, dem die Aufschrift PUMA angedichtet wird. Im Zeitalter der Logos und Warenzeichen, die sich wie Brandmale nicht nur ins Gedächtnis der Sportfans einschreiben, schafft die Bild-Wort-Kombination auf amüsante Weise Distanz zum Produkt.

Ein blaues Einmann-Zelt mit der Aufschrift „Reserviert“ spielt doppelbödig auf die Unterkunftsmöglichkeiten sowie das ständige Unterwegssein der Fußballfans an. Noch lakonischer wird der Künstler, wenn er seine „Torschusswand“ zur Tischtennisplatte mutieren lässt: Ein dadaistisches Komplott von zwei Fundstücken, die durch ihre jeweilige Kontextverschiebung völlig der Funktionalität enthoben werden. Johannes Muggenthalers fotografische Gedichte gehen wie kleine Nadelstiche unter die Haut des Betrachters, ironisieren vor allem die Auswüchse des ökonomisch durchorganisierten Fußballs. Bei aller ‚Treffsicherheit‘ bleibt jedoch immer das heiter Leichtfüßige gewahrt.

Birgit Sonna

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